Lebenshilfe Sömmerda e.V. - der „Verein“
Mit dem Fall der Mauer 1989 änderte sich für alle Menschen in der damalige DDR das Leben. Zwischen allen Träumen und Wirren der Zeit machten sich im Kreis Sömmerda einige engagierte Frauen und Männer auf, für „Behinderte“ die Zukunft zu gestalten. Alles was bis dahin in der DDR gesetzlich durchorganisiert war, konnte jetzt vielleicht neu und besser gestaltet werden.
Eine Möglichkeit sich neue zu organisieren war die Lebenshilfe. In der alten BRD längst zu einer guten Adresse für Betroffene, wenn es um Belange von Menschen mit Behinderungen ging. Das konnte auch im Osten funktionieren.
Eine Handvoll „Aktivisten“ bereiteten gemeinsam mit Frau Kuhl die Gründung der Lebenshilfe Sömmerda vor. Am 28.09.1990 fand die Gründungveranstaltung statt.

In den darauffolgenden Jahren ging es darum, einen Platz in der sich verändernden Gesellschaft zu finden und diesen zu behaupten.
Da die Lebenshilfe in Sömmerda bereits eine Werkstatt hatte, gingen alle Überlegungen in diese Richtung. Politisch ließ sich das jedoch nicht umsetzen. Der Auftrag eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen zu bauen, ging an die Stiftung Finneck.
Jetzt konzentrierte sich alles auf das Wohnen. Viele der erwachsenen Menschen mit Behinderungen wohnten und lebten bei ihren Eltern oder in Pflegeheimen. Ein Gebäude war schnell gefunden. Ein ehemaliger Kindergarten in der Steinstraße, der nicht mehr gebraucht wurde, sollte zukünftig der Wohnort für 36 erwachsenen Menschen mit Behinderung werden.
Das Projekt konnte für damalige Verhältnisse relativ schnell umgesetzt werden. Die alte Kindereinrichtung wurde zur Großbaustelle.


Am 01.05.1997 konnten die ersten Bewohner einziehen. Innerhalb weniger Wochen waren alle Plätze belegt und die Lebenshilfe Sömmerda hatte in der Steinstraße 4 nicht nur ein zu Hause für 36 Bewohner geschaffen, sondern auch den Sitz des Vereins.
Das Wohnstättenleben folgt den Jahreszeiten mit den verschiedenen Feiertagen, mit Urlaubsreisen, Sommerfesten, Fasching oder Oktoberfest. Weihnachten ist wie für die meisten Menschen eine besondere Zeit im Jahr und wird auch in der Wohnstätte entsprechend vorbereitet und gelebt.
Einige Bewohner entwickelten den Wunsch, in einer eigenen Wohnung zu leben. Es entstanden die ersten Außenwohngruppen zur Vorbereitung auf selbständigeres Wohnen. Damit für alle Interessierten der Wunsch Wirklichkeit werden konnte, baute die Lebenshilfe das Ambulant Betreute Wohnen auf. Mit passgenauer Betreuung und Assistenz konnten immer mehr Menschen in eigene Wohnungen oder kleiner Wohngemeinschaften ziehen.
Ab 2010 wurden die ersten Bewohner in der Steinstraße Rentner. Da es keine adäquaten Betreuungsstrukturen gab, haben wir eine eigene Tagesstruktur aufgebaut. Später kam dann der Pflegedienst dazu, der die immer stärker werdenden pflegerischen Betreuungsleistungen abdeckt.
Als 1997 die Wohnstätte ihren Betrieb aufnahm, waren Doppelzimmer die Regel. Als erwachsener Mensch dauerhaft mit einer anderen Person zusammen in einem Zimmer leben zu müssen, ist heute zum Glück nicht mehr zwingend notwendig. Hier hat sich die Lebenshilfe über viele Jahre dafür eingesetzt, dass Jeder sein eigenes Zimmer haben kann. So entstanden mit Unterstützung der Sparkasse Mittelthüringen in der Bahnhofstraße 35 für 15 Personen neue Wohnmöglichkeiten.
In dem Gebäude in der Bahnhofstraße konnten außerdem Räume eingerichtet werden, die als Teilhabezentrum für alle Interessierten genutzt werden können.
Alle diese Entwicklungen wurden vom Vorstand, den Vereinsmitgliedern und den Verantwortlichen angeregt, mitgetragen, organisiert oder erkämpft. Da ist das eigentliche Vereinsleben schon mal auf der Strecke geblieben.
Mitgliederversammlungen, Sommerfeste oder Weihnachtsfeiern sind feste Bestandteile des Vereinslebens. Die Mitgliedschaft zum Landesverband und der Bundesvereinigung der Lebenshilfe sind für uns selbstverständlich.